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Open-Air-Telefongottesdienst vom 20. September 2020

Herzlich Willkommen beim Open-Air-Telefongottesdienst.
Wir feiern heute gemeinsam Eucharistie, live auf der Marienburg und per Telefon von euch zu Hause aus. Wir werden ca. eine Stunde zusammen feiern.

Ankomm-Meditation

Es ist ein unglaublicher Blick, der uns hier oben von der Marienburg geschenkt ist.
Die Mosel hat ein wunderbares Flusstal gegraben.
Malerische Dörfer sind zu sehen.
Berghänge betten den Fluss ein.
Weinberge, die schon bald ihr Herbstlaub tragen,
klettern in dichten, geraden Reihen die Hänge hinauf.
Dicke Trauben hängen an den Reben.
In harter Arbeit wurden die Reben geschnitten und gebunden,
der Boden gelockert,
die Stöcke von unnötigem Laub befreit.
So sind die Trauben die Frucht der Erde und der menschlicher Arbeit und Anstrengung.
Und so ist die Ernte dieses Herbstes Geschenk und Mühe gleichzeitig.

Jesus greift dieses Bild vom Weinberg im heutigen Evangelium auf,
weil es uns etwas über unser Leben erzählen kann.
Denn auch unser Leben ist Geschenk und Aufgabe zugleich.

Wenn ich in die vergangene Woche schaue:
Was wurde mir nicht alles geschenkt?
Wo musste ich mich aber auch mühen und anstrengen?
Und was durfte ich ernten im Weinberg meines Lebens,
welche kleinen Erfolge haben sich eingestellt?

Wofür ich mich mühen musste
und was mir geschenkt wurde,
beides wollen wir mit hinein nehmen in diesen Gottesdienst.

Gebet

Herr Jesus Christus,
Du sprichst von Gott wie von einem Moselwinzer,
der gut sorgt für seine Arbeiterinnen und Arbeiter im Weinberg
und ihnen gibt, was sie zu Leben brauchen.
Genau so sorgst Du Dich auch um uns.
Denn alle sollen sich einbringen und leben dürfen.
Hilf auch uns, nicht nur die Leistung zu sehen,
sondern uns in der Güte zu begegnen,
mit der Du uns beschenkst,
heute und in Ewigkeit. Amen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

Evangelium

In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer,
der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag
und schickte sie in seinen Weinberg.

Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus
und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten.
Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Ich werde euch geben, was recht ist.
Und sie gingen.

Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus
und machte es ebenso.
Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging,
traf er wieder einige, die dort standen.
Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?
Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben.
Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!

Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs
zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus,
angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten!
Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte,
und jeder erhielt einen Denár.

Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen.
Aber auch sie erhielten einen Denár.
Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten:
Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt.
Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.

Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht.
Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart?
Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.
Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will?
Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?
So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

Überleitung

Heute endet eine Aktionswoche im Bistum Osnabrück:
Das Bistum hatte Frauen dazu aufgerufen, in ihren Gemeinden zu predigen,
in den Gottesdiensten das Wort Gottes zu verkünden und auszulegen.
Das Projekt geht aus einer Einladung der Bischofskonferenz hervor.

Für uns an der Kirche der Jugend ist es mittlerweile selbstverständlich geworden,
dass nicht nur der Priester predigt, sondern viele,
Frauen wie Männer, Ehren- wie Hauptamtliche,
uns an ihren Gedanken zum Wort Gottes teilhaben lassen.

Heute in diesem Gottesdienst predigt Pastoralreferentin Christiane Friedrich aus dem Dekanat Wittlich.
Da sie nicht hier oben auf der Burg sein kann,
halten wir mal ein Bild von ihr hoch, damit wir uns in etwa vorstellen können,
wessen Stimme wir jetzt hören.

Auslegung zu Mt 20,1-16a

Predikt

An der Mosel erarbeiteten wir mit Ehrenamtlichen in der Seniorenarbeit das Gleichnis „Von den Arbeitern im Weinberg“ aus verschiedenen Blickwinkeln. In einem aktualisierenden Streitgespräch trafen Arbeiterinnen der ersten und letzten Stunde und Gutsbesitzerinnen aufeinander. Letztere Rolle wurde von Winzerinnen repräsentiert und mit ihrer Alltagswirklichkeit konfrontiert.

Im Gleichnis mag es um einen mittelständischen Winzerbetrieb gehen, da der Gutsbesitzer vor Ort ist. Er scheint hart kalkulieren zu müssen, arbeitet mit Tagelöhnerinnen und Tagelöhnern wohl in der arbeitsreichen Zeit der Weinlese.

Die Winzerinnen verdeutlichten, dass ein Weinbau-Familienbetrieb nur mit viel Eigenleistung möglich sei, harte Arbeit, stete Unsicherheit bedeute. Über Jahre kämen zur Weinlese dieselben erfahrenen Erntehelferinnen und -helfer. Beim Zusammenarbeiten und –leben entstünden mancherorts Freundschaften.

Im krassen Widerspruch dazu werden im Gleichnis ad hoc Tagelöhnerinnen und Tagelöhner den Tag über angeworben. Der stets volle Marktplatz deutet auf hohe Arbeitslosigkeit hin.

Am Ende des Tages kommt es zur Auszahlung, angefangen bei den zuletzt Angeworbenen. Jede und jeder erhält einen Denar. Das ist die eigentliche Provokation des Gleichnisses.

Die Winzerinnen erläuterten, Erntehelferinnen und -helfer gegeneinander ausboten würde das über Jahre gewachsene vertrauensvolle Verhältnis zerrütten. Letztlich hätte keiner was davon. Die eine Seite bräuchte verlässliche Arbeit und Lohn für das Auskommen ihrer Familien, die andere Seite die zuverlässigen erfahrenen Weinlesenden.

Aber im Gleichnis werden die Arbeiterinnen und Arbeiter ungleich behandelt. Warum?
Und dann noch die provozierende Begründung des Gutsbesitzers, gütig zu sein. Warum?
Was ist Jesu Erzählabsicht? Warum provoziert er seine Hörerinnen und Hörer derart?

Mit einer Provokation versucht man auf einen Missstand aufmerksam zu machen. Jesus macht immer wieder auf Missstände in der damaligen Gesellschaft aufmerksam: er zieht Menschen in den Mittelpunkt, die am Rand der Gesellschaft leben – wie die Arbeit Suchenden auf dem Marktplatz. Was sie brauchen, um sich und ihre Familie an einem Tag mit dem Allernötigsten satt zu bekommen, ist ein Denar. Heute beziffert die Weltbank extreme Armut mit ca. 1,50 € pro Person pro Tag in Deutschland.
Im Gleichnis geht es also nicht um das Thema „faire Löhne“ im Weinbau, nicht um Bezahlung nach Arbeitsleistung. Vielmehr geht es um Menschen, die um ihr Überleben kämpfen - Tag für Tag. Darauf macht Jesus seine Hörerinnen und Hörer aufmerksam!
Auch die eine Stunde Arbeit und die Sorge des Tages werden mit einem Denar entlohnt. Am Ende des Tages bei der Auszahlung erhalten alle, was sie zum Überleben an diesem Tag brauchen.

Jesus sagt, so sieht Güte aus. So könnt ihr Euch Gott vorstellen.
Das passt in seine Botschaft: ich bin gekommen, den Ausgegrenzten die frohe Botschaft von der Güte Gottes zu verkünden. Jenseits von Leistungsdenken stellt er die Frage: Was brauchen Menschen in ihrem Leben aufgrund ungleicher Startbedingungen durch Armut, Krankheit, Ausgrenzung, Vertreibung und Flucht vor Krieg und Gewalt? In seiner Antwort knüpft Jesus an die prophetische Tradition des Jesaja an: … die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld (Jes 55).
Jesu Jüngerinnen und Jünger erzählen dieses provozierende Gleichnis „Von den Arbeitern im Weinberg“ weiter. Matthäus fügt es in seinem Evangelium ein unter der Überschrift: Das Himmelreich ist wie.

Die Ehrenamtlichen für Seniorenarbeit, die Winzerinnen unter ihnen, entdecken den einen Denar als Provokation und als Schlüssel zum Verstehen des Gleichnisses. Die Erzählabsicht Jesu bestärkt sie letztlich in ihrem sozialen Engagement. Aus eigener Erfahrung wissen sie, auch in einem hart umkämpften Markt kann man menschlich miteinander umgehen. So gelesen macht uns Jesus auch heute darauf aufmerksam:
Schaut auf die Menschen, die heute an den Rand eurer Gesellschaft(en) gedrängt werden:
    • die unsichtbar Gewordenen, die keine Arbeit haben und sich wertlos fühlen;
    • die in der Covid-19-Krise arbeitslos Gewordenen;
    • die Tagelöhnerinnen und Tagelöhner eurer Zeit, die fern von ihren Familien, unter schwersten Lebens- und Arbeitsbedingungen nähen, schürfen, schlachten, anbauen, ernten – in diesem Land, in Europa, überall auf der Welt.
Seht ihre Not, ihre Isolation, ihre Angst und ihre Sorge um das Überleben Tag für Tag. Denkt an sie, wenn ihr einkauft, euer Essen zubereitet und euch kleidet. Wenn ihr wirtschaftet, habt zuerst die Menschen im Blick. Nur faires und nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht (Über-)Leben auf diesem Planeten. Achtet aufeinander. Setzt euch füreinander ein. Tut das, was möglich ist. Tut euch zusammen. Lebt und arbeitet zusammen. Teilt miteinander und seid gütig zueinander – in diesem Land, in Europa, auf der ganzen Welt. So helft ihr einander zum (Über-)Leben an diesem Tag.
So wird Gottes Güte hier und jetzt erfahrbar.


Christiane Friedrich,
Pastoralreferentin für Erwachsenenbildung im Dekanat Wittlich

Fürbitten

Im Vertrauen auf Deine Güte, Gott,
sagen wir Dir, was uns bewegt und beschäftigt:

Wir beten für alle Menschen,
die nicht wissen, woher sie das bekommen sollen,
was sie zum Leben brauchen.
Für alle, die durch Corona ihre Arbeitsstelle verloren haben
oder in Kurzarbeit geschickt wurden.

Barmherziger Gott: (A) Wir bitten dich, erhöre uns.

Wir beten für alle Menschen, die in Not geraten sind.
Für alle, die durch die Brände im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos
ihre allerletzte Habe verloren haben und ihrer Menschenwürde beraubt sind.

Barmherziger Gott: (A) Wir bitten dich, erhöre uns.

Wir beten für alle Menschen,
die unbarmherzig an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt werden.
Für die Tagelöhnerinnen und Tagelöhner unserer Zeit,
die fern von ihren Familien nähen, schürfen, schlachten, anbauen, ernten,
oft unter schwersten Bedingungen.

Barmherziger Gott: (A) Wir bitten dich, erhöre uns.

Wir beten für alle Menschen,
die unbarmherzig Katastrophen ausgesetzt sind,
auch heute, auch jetzt gerade,
durch Hurrikans, durch Feuerinferno, durch Taifune.
Für alle, die in Einsätzen sind, die warnen und Leben retten.

Barmherziger Gott: (A) Wir bitten dich, erhöre uns.

Wir beten für alle Winzerinnen und Winzer,
die ein ganzes Jahr schuften, um ihre Ernte einzubringen
und die verantwortungsvoll umgehen mit Mensch und Natur.

Barmherziger Gott: (A) Wir bitten dich, erhöre uns.

Du, Gott, weißt, was wir zum Leben brauchen.
Dafür danken wir dir und preisen dich, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Überleitung

Wir glauben an eine Welt,
in der Menschen gütig miteinander umgehen,
weil sie leben aus Gottes Güte und Barmherzigkeit.
So kann schon hier und heute Gottes Wille geschehen,
wo wir spüren, was Menschen zum Leben brauchen.
Beten wir um die Kraft, so leben zu können, im Vater Unser.
Und lassen wir uns dabei anstecken von der Zuversicht und Offenheit
unserer Kinder, die heute mit uns beten werden:

Vater Unser

Vater Unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit,
in Ewigkeit.
Amen.

Aus: Theresia Hauser. Du bist nahe. Sich betend erinnern. Schwabenverlag, Ostfildern 1996

Gebet und Meditation

Als ich den Weinberg
meines Lebens
pflanzte
Als die Sonne brannte
über dem gebeugten Rücken
bei der Steinlese im Frühjahr
Als der Regen prasselte
und ich Schutz suchte
vor dem Hagel im Sommer
Als ich sah
was danach noch übrig war
Als ich anfing
mit Murren und Hoffnung
Als die Reben ansetzten
die Trauben reif wurden
Als die Zeit kam
für die Weinlese im Herbst
Als Bottiche und
Fässer sich füllten...
Schaute ich zurück
und wusste
Meine Mühe musste sein
Aber das Wachsen
das Reifen
die Fruchtfülle für den Winter
sie kamen von Dir, Herr

Wochenaufgabe

„Aber das Wachsen, das Reifen, die Fruchtfülle für den Winter,
sie kamen von Dir, Herr“, so haben wir gerade eben im Schlusstext gehört.
Der Text verschweigt nicht das Brennen der Sonne, den Hagel, Murren und Mühe
und die Kälte des Winters.

Auch Jesus redet die Arbeit im Weinberg unseres Lebens nicht schön.
Die Predigerin benennt die Missstände, denen die Tagelöhnerinnen und Tagelöhner
unserer Zeit ausgesetzt sind.

Aber alle sprechen gerade dennoch von der Güte Gottes.
Die Konsequenz aus dem Evangelium, aus der Predigt heute:
„Seid gütig zueinander!“

Diese drei Worte, sie sollen uns Massstab und Richtschnur sein
für die kommende Woche.
„Seid gütig zueinander!“

Segen

„Das Wachsen und Reifen, sie kamen von Dir, Herr“,
so hieß es eben im Text.
Wachsen und Reifen, das brauchen wir im Weinberg.
Wachsen und Reifen, das wünschen wir uns für unsere Kinder.
Wachsen und Reifen, das bleibt auch unsere Aufgabe, ein Leben lang,
wachsen hinein ins Leben, reifen hinein in die Güte Gottes.

So bitten wir um Gottes Segen:
Möge der Weg unseren Füßen entgegenkommen,
möge der Wind stets in unserem Rücken sein,
möge die Sonne warm auf unser Gesicht scheinen,
der Regen sanft auf den Weinberg unseres Leben fallen
und bis wir uns wieder sehen
halte Gott uns alle, unsere Lieben, stets in seiner Hand.

So segne uns der gute Gott:
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.