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Telefongottesdienst vom 19. Juli 2020

Herzlich Willkommen beim Telefongottesdienst.
Wir feiern heute gemeinsam Wortgottesdienst.
Wir werden ca. eine Stunde zusammen feiern.

Ankomm-Meditation

Mit einem wunderschönen Bild haben wir diesen Gottesdienst begonnen. Es ist das Bild vom Wachsen und Keimen, vom Knospen und Blühen. Irgendwie gelingt es dem Liedschreiber, mich in dieses Wachsen mit hinein zu nehmen: „Herr, du bist die Hoffnung, wo Leben verdorrt, auf steinigem Grund, wachse in mir. Sei keimender Same, sei sicherer Ort, treib Knospen und blühe in mir.“

Ja, Gregor Linßens Lied singt davon, dass es in mir blüht uns knospt, weil Gott seinen Samen, sich selbst, in mich hinein gelegt hat. In mir selbst wächst und reift das Gute heran. Und so darf ich mich fragen:
Was ist in mir gewachsen in der vergangenen Woche?
Wo hat sich das Gute durchgesetzt?
Wo bin ich vielleicht sogar über mich selbst hinaus gewachsen?
Wo kam mir ein Gedanke, der mich froh gemacht hat?
Wo habe ich herzhaft gelacht und vielleicht sogar andere angesteckt?
Wo konnte ein neuer, mutmachender Gedanke sich wie ein kleines Pflänzchen
in mir festmachen?

Besingen wir den, der uns sogar auf steinigem Grund, unter wolkenverhangenem Himmel, in kalter Zeit Kraft zum Wachsen und Reifen gibt. Singen wir die dritte Strophe von „Und ein neuer Morgen“.

nach Matthäus

Evangelium

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?
Der Herr antwortete: Das hat ein Feind getan.
Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?
Der Herr entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.

Gedanken zum Evangelium

Lasst wachsen: Zutrauen in einen Wachsstumsschub haben
Es gibt sie noch, die Messlatte fürs Kinderzimmer. Millimeter für Millimeter zeigt sie uns an, wie unsere Kinder stetig wachsen. Manchen geht es gar nicht schnell genug mit dem Wachsen, erst recht nicht, wenn Kindergarten- oder Klassenkameraden schneller nach oben schießen. „Gell, ich bin gewachsen?“, fragen sie dann mit hoffnungsvollem Blick. Von Anfang an müssen wir lernen, dass Wachsen einfach passiert und wir es nicht beschleunigen können.
„Lasst wachsen bis zur Ernte!“, dazu lädt Jesus ein. Gebt dem Wachstum die Zeit, die es braucht. Und tatsächlich: Wachstum geschieht. Gerade jetzt in den langen Sommerferien ist das zu beobachten: „Mensch, bist Du groß geworden! Was bist Du gewachsen!“, so hören es Kinder von Erwachsenen, die sie länger nicht gesehen haben... Nach mancher Sommerferienfreizeit habe ich das sogar Eltern ihre Kinder fragen hören: Sag mal, bist Du schon wieder gewachsen?
Viele Formulierungen verraten uns, dass Jesus Recht hat: Wir müssen wachsen lassen.
Was bist Du gewachsen, wie bist Du groß geworden, Du bist aber er-wachsen geworden! Formulierungen wie „Der oder die wird nie erwachsen“ helfen da wenig. „Wachsen lassen“ ist die Devise.

Lasst wachsen: Geduld haben
Etwas wachsen lassen, dazu braucht es oft Geduld. Das kleine Wörtchen „lasst“ erinnert mich an das große Wort „Gelassenheit“. Es hilft nicht, an den Samenpflänzchen zu ziehen: Sie wachsen dadurch nicht schneller. Es gilt, dem Wachsen gelassen seine Zeit zu lassen. Manchmal müssen wir es sich setzen lassen. Eine neue Rechenart in der Schule. Erst nach einiger Zeit sagt die Lehrerin „Jetzt ist der Groschen gefallen!“, „Es ist, als hätte sich ein Schalter umgelegt.“ Es sich entwickeln lassen holt Druck raus.
Vielleicht ist die Zeit des Urlaubs, die Zeit der Ferien, eine Zeit, in der wir manches sich setzen lassen, sich entwickeln lassen können, um mit etwas Abstand und gelassen wieder starten zu können.

Lasst wachsen: Heißt nicht schlafen, sondern achtsam sein
Wachsen lassen - das erfordert Zeit und Raum für Wachstum und Entwicklung und von uns vor allem: Geduld! Geduld darf hier aber nicht bedeuten, wir lassen alles einfach laufen und legen uns schlafen, wo das hinführt schildert uns das Gleichnis eindrücklich: Das Böse nutzt seine Chance und plötzlich wuchert das Unkraut zwischen den Weizenpflänzchen.

Genau so geht es uns in unserer Gesellschaft. Legen wir uns schlafen, erheben Extremismus, Rassismus und Gewaltbereitschaft ihre hässlichen Häupter! Geduld muss daher bedeuten, beim Warten aufmerksam zu sein, zu beobachten und der Versuchung zu widerstehen in blinden Aktionismus zu verfallen, wie die Knechte in unserem Gleichnis. Aber da ist ja zum Glück der Gutsherr, der sich den Schaden von einer höheren Warte aus betrachtet und mit Umsicht zu einer vernünftigen Lösung kommt. Einer Lösung, die das gewünschte Ziel erreicht, aber ohne unnötige Kollateralschäden zu verursachen. Seine Entscheidung: Gelassen den richtigen Zeitpunkt abwarten um dann unerbittlich und konsequent das Unkraut bei der Wurzel zu packen und auszureißen.

Seien wir ehrlich. Wie oft entscheiden wir uns für bequeme Lösungen: für das Wegschauen, wenn in unserer Umgebung Unrecht geschieht, für den Unkrautvernichter anstelle mühseligen Jätens, für Fastfood anstelle ausgewogener Mahlzeiten. Gerade jetzt in der Ferienzeit haben wir die Möglichkeit, unsere Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen, genau hinzuschauen und vielleicht sogar das Eine oder Andere in unserem Leben zu verändern.

Lasst wachsen: Mut haben nicht vorschnell zu reagieren, Vertrauen haben, dass sich das Gute durchsetzt
Trotz allem sehen wir in dem Gleichnis: Jesus bleibt zuversichtlich. Das Gute, die Botschaft Gottes, wächst und gedeiht, wie der Weizen, der auch mit Unkraut weiterwächst. Oft brauchen wir Mut und Geduld, um nicht vorschnell zu handeln, und müssen Vertrauen darauf haben, dass sich das Gute durchsetzt. Denn auch aus manchem Unkraut kann eine wunderschöne Blume werden. Gefällt nicht auch euch ein Weizenfeld, in dem auch Mohn- und Kornblumen blühen, besser, als ein ganz sauberes, monotones Feld? Das Gute wächst. Der Same ist gut, er wird sich entfalten. Erfolg wird sich einstellen. Das Warten lohnt sich. Die Frucht geht auf. Davon sind wir überzeugt. Amen.

Fürbitten

Guter Gott, Wachsen und Reifen, das braucht seine Zeit, bei den Pflanzen auf dem Feld, bei unseren Mitmenschen und auch bei uns selbst. Wir können gießen und pflegen, um dem Wachsen und Reifen Nahrung und Raum zu geben. Aber Vieles liegt dabei nicht in unserer Hand. Und so bringen wir voller Vertrauen unsere Bitten vor Dich.

Wachsen und Reifen – höher, schneller, mehr! Oft urteilen wir vorschnell und von außen über Größe und Menge dessen, was sich entwickelt. Dabei übersehen wir Prozesse im Verborgenen, die wir nicht beeinflussen können und die zum Wachsen so wesentlich dazugehören. Wir bitten um das feine Gespür für all das, was in unserem Miteinander wächst, sich wandelt und reift.
Gott, du geduldiger Sämann: Wir bitten Dich erhöre uns.

Scheinbarer Stillstand, Fehlentwicklungen, Risiken! Oft meinen wir, gleich eingreifen und korrigieren zu müssen, wenn Wachstum Umwege braucht und scheinbar unnütze Ranken hervorbringt. Dann verhindern wir aber vielleicht eine notwendige Erfahrung
oder einen heilsamen Rückschritt. Wir bitten um Geduld und Vertrauen, dass Wachsen nicht immer gradlinig und ungestört gelingen muss.
Gott, du geduldiger Sämann: Wir bitten Dich erhöre uns.

Gelassenheit und Vertrauen sind Voraussetzungen dafür, dem Wachsen und neuen Entwicklungen Zeit und Raum zu lassen. Wie oft aber sind wir kleinmütig und engstirnig und beschneiden lebendiges Wachstum, begrenzen Entfaltung, lassen Triebe verkümmern. Wir bitten um Phantasie und Mut, auch neue Entwicklungen zu unterstützen, lebendige Vielfalt zu ermöglichen und bunte, unbekannte Früchte zu kosten.
Gott, du geduldiger Sämann: Wir bitten Dich erhöre uns.

Wachsen und Reifen – das ist die tiefe Sehnsucht auch in uns selbst. Wir bitten um Offenheit und Zeit, dieser Sehnsucht auf unserem Lebensweg immer wieder nachzuspüren und ihre Erfüllung zur Erntezeit am Ende unseres eigenen Lebens erfahren zu dürfen.
Gott, du geduldiger Sämann: Wir bitten Dich erhöre uns.

Guter Gott, höre all unsere Bitten, auch diejenigen, für die wir keine Worte finden und die noch unausgesprochen in uns wachsen. Begleite unser Reifen auch in Dürrezeiten mit Deinem Wohlwollen und Deinem Vertrauen in uns. Darum bitten wir heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Meditation

Wachsen ist immer Geschenk. Wachsen geschieht einfach so, leise, unbemerkt, mit dem Kleinen beginnend. Aber Wachsen braucht auch unser Mitwirken:
es braucht die Wertschätzung für das kleine Samenkorn, in dem alles verborgen angelegt ist, was ein großer Baum braucht; es braucht die Achtsamkeit, dass junges Leben nicht zertreten, nicht mit dem Unkraut ausgerissen wird; es braucht die Pflege der Aussaat: gießen, aber nicht ertränken, düngen, aber nicht vergiften. Es braucht die schützende Hand vor dem gedankenlosen Raubbau, fordern, aber nicht überfordern, anreizen ohne auszureizen.
Lasst es wachsen, sagt Jesus, bewundert, schaut zu, warnt, pflegt und schützt, liebt, und es kann wachsen.

Schlussgebet

Herr unser Gott, gelassen und voller Liebe
begleitest Du unser Leben, unser Wachsen und Reifen.
Wie ein guter Gärtner schenkst Du uns, was wir dazu brauchen,
Nahrung aus der Erde, Licht vom Himmel
und den aufmerksamen und sorgsamen Blick Deiner Zuneigung.
Gib uns die Kraft, im Guten zu wachsen, Dir entgegen,
heute und in Ewigkeit.
Amen.

Wochenaufgabe

Schaut in dieser Woche, schaut in Urlaub und Ferien, einmal ganz bewusst beim Wachsen zu:
Welches Wachstum bewundere ich in der Natur?
Welche Stadien beim Wachsen darf ich entdecken, im Garten, auf dem Feld, im Weinberg, am Wegesrand?
Welches Wachsen und Reifen und Entwickeln beobachte ich bei Kindern, bei jungen Menschen?
Und was wächst und reift in mir, an Erkenntnis, an guten Taten, an Liebe und Zuneigung?

Segen

Guter Gott,
segne Du den Lebenssamen,
den Du in uns gelegt hast,
segne, wie wir wachsen
und uns entwickeln,
segne unsere Anlagen,
unsere Fähigkeiten und Talente.
Lass uns wachsen,
in der Zeit die Du uns schenkst,
mutig und gelassen,
heute und morgen und bis in Ewigkeit.
Amen.