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Ölbergstunde am Gründonnerstag

Telefongottesdienst vom 9. April 2020

Die Vorbereitungsgruppe der Telefongottesdienste lädt ein zur Ölbergstunde am Gründonnerstag um 21 Uhr.

Diese Ölbergstunde kann tatsächlich zu Fuß mit dem Handy am Ohr draußen
oder auch im Geist zu Hause am Telefon miterlebt, mit gegangen werden.
Ein Päckchen Streichhölzer oder ein Feuerzeug und ca. eine Stunde Zeit,
mehr braucht ihr nicht.

aus dem Markusevangelium

Biblische Botschaft

Jesus und seine Jünger kamen zu einem Grundstück,
das Getsemani heißt,
und er sagte zu ihnen:
Setzt euch hier, während ich bete!
Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich.
Da ergriff ihn Furcht und Angst und er sagte zu ihnen:
Meine Seele ist zu Tode betrübt.
Bleibt hier und wacht!
Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete,
dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe.
Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich.
Nimm diesen Kelch von mir!
Aber nicht, was ich will, sondern was du willst.

am Tor

Ich habe meinen Platz zu Hause verlassen und stehe am Gartentor.
Soll ich weitergehen? Was wartet dahinter?
Es ist dunkel. Die nächsten Schritte führen mich in etwas Neues.
Jesus hat den Raum des Abendmahls verlassen, den hellen Raum,
die Vertrautheit mit seinen Jüngern und Jüngerinnen
und steht nun am Tor zum Garten Gethsemane.
Vor ihm liegt der dunkle Garten,
die Kühle des Abends, der Duft der Olivenbäume, Ort des Friedens,…
Aber vor allem sind da jetzt Schatten und Ungewissheit,
viel mehr noch -  die Angst verlassen zu werden.
Und doch tritt Jesus ein in den Garten.

– kurze Stillephase –

Wir denken an die Menschen, die am Übergang stehen.
Deren sicheres Leben sich in den letzten Wochen aufgelöst hat,
die vor einer ungewissen Zukunft stehen,
die sich dabei alleingelassen fühlen, Angst haben
für die buchstäblich das Überleben bedroht ist.

Für sie und für die Menschen, die wir vor uns selbst sehen,
zünden wir einen Hoffnungsfunken an.
Wir schauen ins Licht des Streichholzes oder des Feuerzeugs.


Nun halten wir Ausschau nach einem Stück Weg,
auf dem wir Erde unter den Füßen haben oder Wiese,
jedenfalls keinen Asphalt.
Dort wollen wir für die nächste Station Halt finden.

auf der Erde

Ich stehe auf einem Stück Erde, einer Wiese oder auf einem Weg,
unter dem auch Erde ist.
Ich berühre die Erde mit den Händen oder stelle mir vor,
wie ich Erde in den Händen halte.
Sie ist dunkel, kalt, feucht und irgendwie auch weich.

Jesus ist im Garten. Er fällt auf die Knie um zu beten.
(Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete,
dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe.)

Meine Hände graben sich in die dunkle Erde.
Sie ist kalt und dunkel. Ich bin voller Zweifel.
Ist das der richtige Weg?
Hab ich mich verrannt?
Hätte ich auf die anderen hören sollen?
Muss es so enden?
Jetzt ist es zu spät. Es gibt kein Zurück mehr.
Noch ein letzter, verzweifelter Versuch:
Abba, Vater, ... gibt es nicht doch einen anderen Weg?
Er gibt keine Antwort. Gott schweigt.
Die Zweifel werden immer mächtiger und die Angst...
diese unglaubliche Angst...
Wo ist mein Vertrauen jetzt? Wo ist mein Glaube?
Damals, ja damals konnte ich sogar über Wasser laufen,
so groß war mein Vertrauen.
Jetzt bin nicht mal mehr sicher, ob die Erde vor mir mich noch trägt.
Meine Hände finden keinen Halt in der Erde.
Es gibt nichts mehr, was mich hält.
Es gibt nichts mehr, was mich trägt.
Ich falle, ich versinke...

– kurze Stillephase –

Wir denken heute besonders an Menschen,
die sich in auswegslosen Situationen befinden.
Weil sie einen lieben Menschen verloren haben,
weil sie todkrank sind,
weil ihnen jede Chance auf ein gutes Leben genommen wurde,
weil sie sich verrannt haben.

Wir denken an alle, die ihr Vertrauen verloren haben.
In sich selbst, in ihre Mitmenschen, in diese Welt und das Leben, in Gott.

Wir denken an alle, die einen schweigenden Gott erleben,
obwohl sie voller Verzweiflung zu ihm rufen.

Für sie und für die Menschen, die wir vor uns sehen,
zünden wir einen Hoffnungsfunken an.
Wir schauen ins Licht des Streichholzes oder des Feuerzeugs.

 

Nun halten wir Ausschau nach einem Baum.
Wir können uns unter ihn stellen,
uns anlehnen oder ihn aus der Ferne betrachten.
Dort werden wir für die nächste Station Halt machen.

am Baum

Ich sehe vor mir einen prächtigen Baum.
Er lädt zum Verweilen ein und strahlt Ruhe aus.
Dabei steht er fest verankert in der Erde, aus welcher er seine Kraft zieht.
Seine knorrige Rinde zeugt von einem langen Leben,
von Beständigkeit und Veränderung.
Wir sehen auch zahlreiche Narben und Verletzungen.

Auch Jesus befand sich damals wie wir gerade in der puren Natur,
umgeben von Bäumen, Sträuchern, Blumen und allerlei Gräsern
im Garten Gethsemane.
Es muss eine wahre Pracht der Schöpfung gewesen sein,
fast ein Ort paradiesischen Charakters, geprägt von Ruhe und Fülle.
Gerade in seiner Verzweiflung und in seinem Aufgewühltsein
findet Jesus hier für sich einen Ort der Ruhe.

Er wählt sich bewusst diesen Platz in der Einsamkeit,
nachdem er die vertraute Gemeinschaft seiner Jünger verlassen hat.
Er muss alleine mit seinem Vater reden und sich alleine dem stellen,
was sich ihm ereignen wird.

Auch wir brauchen solche Kraftorte,
Orte an denen wir loslassen können,
Orte, an denen wir unser Einssein mit allem spüren können,
gerade wenn wir verzweifelt, aufgewühlt, einsam sind.
Selbst in seiner größten Einsamkeit,
mit seinen Narben und Verletzungen spürt er,
dass er hier nicht allein ist: Abba, Vater.

– kurze Stillephase –

Wir denken an alle Menschen,
die sich wie Jesus verlassen oder einsam fühlen.
Für alle, die sich nach Berührung und Begegnung sehnen.

Wir denken an alle Menschen,
die das freie Leben draußen vermissen
und sich gerne wieder frei bewegen würden,
die Sonne auf ihrem Gesicht spüren
und die Schönheit der Natur in sich aufnehmen möchten,
und das ohne Angst.

Wir denken an alle rastlosen Menschen,
die ihren ganz persönlichen Ort ihrer Tiefe suchen.

Für sie und für die Menschen, die wir vor uns sehen,
zünden wir einen Hoffnungsfunken an.
Wir schauen ins Licht des Streichholzes oder des Feuerzeugs.

 

Nun halten wir Ausschau nach einem Stein, einem Berg oder einem Fels.
Mit einem Stein in der Hand, einem Berg oder Fels vor Augen
werden wir für die nächste Station Halt machen.

an einem Felsen, Berg oder Stein

Ich stelle mir einen Felsen vor
rau und kantig ragt er zwischen den alten Olivenbäumen auf;
an manchen Stellen ist er von Moos und Flechten überwuchert;
fest und unverrückbar strahlt er die Wärme des Tages
in die kühle Abendluft.
So, wie Jesus ihn in dieser Nacht am Ölberg gesehen haben mag,
allein (-gelassen von den Jüngern) in der Stunde drängender Not
und tiefer Angst.

Er könnte in diesem Moment Halt gebrauchen,
fest und unverrückbar wie der Fels
und voller Wärme.
Doch die Menschen, die mit ihm im Garten sind, schlafen…
eingehüllt in ihren eigenen Sorgen und Träumen…
von ihnen ist der nötige Halt in dieser Nacht nicht zu bekommen.

Und doch findet Jesus diesen Halt – im felsenfesten Vertrauen auf den Vater!
„Abba, mein Vater, es ist Dir alles möglich; nimm diesen Kelch von mir,
doch nicht was ich will, sondern was Du willst.“

Auch wir erleben zurzeit eine gemeinschaftliche Krise,
die unser Leben mehr verändert, als wir es je erfahren haben,
und auch wir brauchen jetzt Halt, fest und unverrückbar und voller Wärme…
Nehmen wir uns Jesus zum Vorbild, vertrauen wir felsenfest auf den Herrn!

Als Zeichen dieses Vertrauens können wir uns
unseren eigenen kleinen Felsen erwählen,
z.B. einen Stein vom Wegrand,
den wir mit in die Kar-und Ostertage nehmen…

– kurze Stillephase –

Wir denken an all jene Menschen, die,
nicht nur in diesen stürmischen Zeiten,
ihren Mittmenschen als „Fels in der Brandung“ zur Seite stehen
und ihnen Halt und Zuversicht spenden.

Für sie und für die Menschen, die wir vor uns sehen,
zünden wir einen Hoffnungsfunken an, als Symbol unserer Zuversicht.
Wir schauen ins Licht des Streichholzes oder des Feuerzeugs.

 

Wir halten Ausschau nach dem Mond am Firmament.
Wir suchen uns eine gute Stelle,
von der aus wir den Mond ungestört anschauen können.

unter dem Mond

Heute ist Vollmond.
Heute wie damals im Garten Gethsemane ist es derselbe Mond,
der über uns scheint.
Von diesem ersten Frühjahrsvollmond her berechnen sich
das Pessach-Fest der Juden
und das Osterfest der Christen.
Mit Jesus schaue ich mir den Mond an, sein Licht, seinen Schein.
„Wie oft habe ich vom Licht gesprochen“, mag Jesus gedacht haben.
„Ich bin das Licht der Welt!“, hat er gesagt.
Und auch: „Ihr seid das Licht der Erde!“
Ist es dieses Licht, in Jesus, in mir, in uns, über uns,
das uns miteinander verbindet, gerade im Dunklen?
Ist es dieses Licht, das Licht bringt in die dunklen Schatten
die über dem Garten Gethsemane liegen
und gerade auch über unserer Welt?
Ist es dieses Licht,
das seinen Schein durch die Ritzen der Grabkammer blitzen lässt,
unbemerkt noch, unwirklich, unglaublich?
Jesus blickt nach oben, voller Angst, Dunkel auch in seinen Augen.
Aber er blickt im Dunkel ins Licht: Abba, Vater.

– kurze Stillephase –

Wir denken an die Menschen, die Angst haben vor dem, was kommt.

Für die, die Dunkel mit aushalten
und es dadurch erträglicher, heller machen.

Wir denken an die, die an das Licht glauben,
selbst hinter dunklen Wolken.

Für sie und für die Menschen, die wir vor uns sehen,
zünden wir einen Hoffnungsfunken an, als Symbol unserer Zuversicht.
Wir schauen ins Licht des Streichholzes oder des Feuerzeugs.

Segen

Tür oder Tor sagen: Du segnest Eingang und Ausgang, Anfang und Ende.

Die Erde sagt: Du segnest alles Aufgewühlte in uns.

Der Baum sagt: Du segnest unsere Sehnsucht nach Ruhe und Tiefe.

Der Stein, der Fels, der Berg sagt: Du segnest, was uns wärmt und Sicherheit gibt.

Der Mond sagt: Du segnest das Licht in uns
und jeden Hoffnungsfunken, der das Dunkel erhellt.

So segne uns + der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Einladung zu verweilen

„Dich sehen“, so sind unsere Kar- und Ostertage überschrieben.
Wir haben vor unseren Augen Jesus gesehen, seinen Weg in dieser Nacht.
Und in seinem Schicksal haben wir ganz konkrete Menschen gesehen,
die ähnlich leiden, suchen, zweifeln, hoffen, bangen und beten.
An jeder Station hieß es:
Für die Menschen, die wir vor uns sehen, wollen wir beten.

Um dem Erlebten nachzugehen, um miteinander und füreinander zu beten,
um die, die wir vor uns sehen, Gott anzuvertrauen,
können wir nun noch in diesem Telefon-Raum bleiben.
„Bleibet hier und wachet mit mir“,
dieser Ruf aus Taizé,
dieser Ruf zum Beieinander-Bleiben läuft in Endlosschleife weiter.

Bleiben wir beieinander
und kommen wir wieder zusammen
zur Osternacht-Feier am Abend des Karsamstag um 21 Uhr
und zur Eucharistie am Ostermontag um 11.30 Uhr.
„Bleibet hier und wachet mit mir!“

Impressionen von Teilnehmern